Wenn das Spiel nur noch Staffage ist

 

 

Wenn das Spiel nur noch Staffage ist

 

Vielleicht werden wir irgendwann mal auf den 20. Mai 2017 zurückschauen, an dem auch der Letzte sehen konnte, worum es im Fußball eigentlich geht. Ein Tag an dem Der Spiegel sich in einem Artikel unter dem Titel „Empört Euch!“ mit der Scheinwelt Fußball beschäftigt, bekommt er genau diese auch auf dem Rasen der Bundesliga in München gezeigt. 

 

Erst mal zum Spiel.

 

Der FC Bayern gewann durch zwei Tore in der Nachspielzeit mit 4:1 gegen den SC Freiburg. Der Sieg war hochverdient für die Münchner. Und auch wenn sich Freiburg gute Chancen erspielte, so war es doch Torhüter Alexander Schwolow zu verdanken, dass ein Unentschieden so lange im Bereich des Möglichen lag.

 

So weit, so normal.

 

Keineswegs normal war allerdings, dass man von Seiten des FC Bayern noch nicht einmal den Versuch unternahm zu verheimlichen, dass das eigentliche Spiel nur Staffage für das Rahmenprogramm war.

 

Ein Rahmenprogramm bestehend aus der Verabschiedung zweier ganz Großer des Weltfußballs (Ehre, wem diese gebührt), eines Auftritts einer Sängerin in der Halbzeit und nicht zuletzt der Übergabe der Meisterschale inklusive anschließendem Feierritual auf dem Rasen.

 

Was war geschehen?

 

Vor dem Anpfiff wurden Philipp Lahm und Xabi Alonso in den fußballerischen Ruhestand verabschiedet. Beide standen das letzte Mal auf dem Rasen und bekamen natürlich den würdigen Abschied.

 

Mit dem kleinen Schönheitsfehler allerdings, dass die anderen Spiele schon in der fünften Minute waren, als in München endlich angepfiffen wurde.

 

In der Halbzeit nahte der nächste Höhepunkt für die „Kundschaft“ (KH Rummenigge); ein Auftritt der uns Älteren noch gut bekannten Sängerin Anastacia. Die Dame genoss ihren Auftritt vor der großen Menge und war anscheinend nicht zum Aufhören zum Bewegen. Als sie dann endlich vom Rasen war, weigerte sich dann auch noch die Minibühne dagegen, abgebaut zu werden. Die Spieler, längst aus der Kabine wieder zurück, standen etliche Minuten wartend auf dem Rasen, bis sie endlich wieder ihrem Tagewerk nachgehen durften.

 

Die Uhr zeigte bei anderen Spielen zu dieser Zeit schon Minute 53:00, als in München endlich die zweite Halbzeit angepfiffen wurde.

 

Als dann Alonso und Lahm sich bei ihren Auswechslungen die Ovationen des Publikums abholten, sich bei jedem einzelnen Mitspieler und dem Schiedsrichter verabschiedeten, war endgültig der Abschiedsspielmodus eingekehrt. Dazu passte dann auch, dass von Seiten des Gespanns ganze vier Minuten Nachspielzeit angezeigt wurden. Gerade so, als wolle man rechtzeitig zur terminierten Meisterfeier fertig sein.

 

Und warum dann der Text?

 

Weil das Spiel eben kein Kirmespokal, kein Egalspiel, kein TeleAudiDingens-Cup war, sondern ein Bundesligaspiel, bei dem es für den Gegner um verdammt viel ging. Der SC Freiburg kam als Tabellensechster nach München, mit der Chance sich aus eigener Kraft direkt für den Europapokal zu qualifizieren. Und es war mitnichten so, dass die nur angereist waren, um der Verabschiedung großer Spieler beizuwohnen. Dass es sinnvoll ist, Spiele am letzten Spieltag zeitgleich anzupfeifen, wissen wir spätestens seit Gijon 1982. Schiedsrichter erhalten minutengenaue Anweisungen über den Spielablauf an jenem Tag.

 

Und das kann auf einmal ignoriert werden, zwecks Abhalten der Abschiedsprozession, weil man eh schon Meister ist? Was sollte diese Halbzeitunterhaltung, wenn man nicht in der Lage war, den zeitlich korrekten Ablauf zu gewährleisten? Und was denkt sich ein Schiedsrichter beim Stand von 2:1 dabei, wenn er die den Spielern zu recht zugestandenen Applausminuten nicht nachspielen lässt?

 

Zur Erinnerung: Freiburg hätte mit einem Sieg in diesem Spiel die Saison auf dem fünften Tabellenplatz und direkter Qualifikation für die Europa League beendet.

 

Es geht in keinster Weise darum zu behaupten, dass Freiburg durch die zeitliche Verzögerung einen Nachteil hatte oder gar um einen möglichen Sieg gebracht wurde. Aber wenn ich das Spiel ernst nehme, dann ist es die Pflicht der Beteiligten dafür auch die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen.

 

Was in München geschah war respektlos gegenüber dem sportlichen Wettbewerb, aber vor allem gegenüber einem Gegner, dem so ganz nebenbei gezeigt wurde, wie egal einem dessen sportliche Ambitionen für das Spiel sind. 

 

Abschließende Anmerkung:

 

Eine Choreo, die von einer Agentur inszeniert wurde, eine Bierdusche, die bereits vorab minutiös in den Zeitplan eingearbeitet war und Kameras von Sponsoren, die in die Biergläser integriert wurden, finden hier keine Berücksichtigung. Sie hatten schlicht mit dem Spiel und seinem Ablauf nichts zu tun.