Mi

24

Feb

2016

Roger and me. Oder „Danke, Felix Zwayer!“

 

 

 

Als ich am Sonntag per Pushmeldung über die Spielunterbrechung in Leverkusen informiert wurde, erfuhr, dass Roger Schmidt sich geweigert hatte auf Anweisung von Schiedsrichter Felix Zwayer den Innenraum zu verlassen, waren sie sofort wieder da, diese tief abgelegten, aber nie vergessenen Bilder.

 

Wir schreiben das Jahr 1990 oder 1991, ein sonniger Samstagmittag. Das D-Jungendspiel zwischen der SG Limburgerhof und Arminia Ludwigshafen steht unter der Leitung eines sehr jungen Schiedsrichters, der zu dieser Zeit höchstens sechzehn Jahre alt war. Dieser junge Schiedsrichter war ich.

 

Auch wenn heute alles viel schlimmer geworden sein soll, war es zu dieser Zeit schon so, dass es kaum ein Spiel ohne heftige Proteste von außen gab. Egal welche Altersgruppe, egal welches Niveau, ohne lautstarke Beschwerden lief es nie ab. „Ist ja nur Fußball“, höre ich da einige sagen. Ja, wenn es denn so wäre. Der junge Schiedsrichter wollte abends ungestört weg, ging unter der Woche in die Schule, und war auch so gerne auf Fußballplätzen im Kreis unterwegs. Wer einmal mit 17 einem fast gleich alten Spieler aus dem Nachbarort einen Platzverweis erteilt hat, für den dieser anschließend acht Wochen gesperrt ist, weiß sehr genau, dass es eben nicht nur Fußball ist, dass es auch Auswirkungen auf das Privatleben hat. Und das in einem Alter, das auch sonst schon schwierig genug ist.

 

Aber zurück zu jenem Samstag Mittag in Limburgerhof. Das Verhältnis mit dem Trainer der Mannschaft von Arminia war schon bei vorherigen Spielleitungen schwierig, aber an jenem Samstag überschritt er jede Grenze, ließ jeden Respekt vermissen und sich auch von Ermahnungen meinerseits nicht zur Ruhe bringen. Irgendwann war der Punkt erreicht, wo es nicht mehr ertragbar, nicht mehr tolerabel war.

 

Was nun geschah, sehe ich seit Sonntag wieder bildlich vor mir. Ich forderte den Trainer unmissverständlich auf den Innenraum zu verlassen. Blieb stehen, sagte mehrmals, dass es reiche. Und er? Genau, er weigerte sich hinter die Absperrung zu gehen. Er habe schließlich die Fürsorgepflicht für seine jugendlichen Spieler, der er gerecht werden müsse. Und was tat ich? Ich pfiff das Spiel wieder an und leitete es, als sei nichts gewesen.

 

Niemals habe ich mich in meinen Jahren als Schiedsrichter hilfloser und vorgeführter gefühlt, als an diesem Mittag. Niemals so allein gelassen und vom Verband verraten, denn der nach dem Spiel angefertigte lange Sonderbericht blieb komplett folgenlos. Kein Obmann oder Lehrwart, der mich anschließend zur Seite nahm, auf meine Frage bei der monatlichen Sitzung, wie man mit solch einer Erfahrung umgehe. Nichts.

 

Seit Sonntag weiß ich, dass sich kein Schiedsrichter mehr solch ein Verhalten gefallen lassen wird, wie ich es damals tat. Seit Sonntag weiß jeder Trainer, welche Folgen solch ein Verhalten haben wird. Und dafür gebührt Felix Zwayer der Dank aller am Fußball Beteiligten. Hier hat ein Schiedsrichter eine Vorbildfunktion übernommen, die weit über dieses Spiel hinausreicht und vielen ehrenamtlichen Referees Sicherheit und Selbstvertrauen im Umgang mit den Rumpelstilzchen an der Außenlinie geben wird.

 

Deshalb: Danke, Felix Zwayer!

 

 

(Dass ich aufgrund meiner persönlichen Erfahrung die vom DFB für Roger Schmidt und Rudi Völler ausgesprochenen Strafen für zu gering halte, und vom Weltkonzern Bayer erwarten würde, dass er mal hinterfragt, welche Personen die jährlich mit zweistelligen Millionenbeträgen alimentierte Fußballabteilung nach außen vertreten, das steht auf einem anderen Blatt.)

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    sternburg (Mittwoch, 24 Februar 2016 23:11)

    Sehr schöner, wertvoller Einwurf. Das hat bei uns zu <a href=http://allesausseraas.de/mittwoch-24-02-2016/#comment-67321>Reaktionen</a> geführt (bitte im folgenden weiter scrollen, da steht noch sehr viel anderes dazwischen).

    Ich sach zwar immer: Jungs, schreibt Eure Kommentare doch bei den Blogs selber, die Leute freuen sich doch über Reaktionen. Aber so erfährst Du wenigstens davon. Ich vielleicht möchtest Du auch auf eine Frage antworten.

  • #2

    Kuhn (Donnerstag, 25 Februar 2016 20:46)

    Ein sehr toller Beitrag - Chapaeu. Aber zu Eurer Story: Der Trainer/Betreuer hatte aber doch mMn leider Recht. Einen Betreuer (zumindest den, der im Spielbericht benannt ist) im Jugendspiel kann ich nicht aus dem Innenraum verweisen. Letzter Ausweg bleibt nur der Abbruch.

  • #3

    sternburg (Montag, 29 Februar 2016 23:48)

    Man kann in einem Jugendspiel den Trainer nicht aus dem Innenraum verweisen? Ist das wirklich so?

  • #4

    sternburg (Mittwoch, 02 März 2016 02:40)

    Ich hab die Frage mal parallel dem feinen Hörrn Feuerherdt <a href=http://fokus-fussball.de/2016/02/18/ce77-kleine-erbsenzaehlerei/#comment-43647>vorgelegt</a>. Stellt sich raus:

    Es spricht einiges dafür, dass der Trainer in Deiner Geschichte tatsächlich richtig gehandelt hat. Also mit der Weigerung, den Innenraum zu verlassen.

    Das macht natürlich genau gar nicht besser, wie a) er sich dort verhalten hat und b) was Du danach erlebt hast.

    Ganz im Gegenteil, finde ich. Denn wenn es eine solche Privilegierung einer Aufsichtsperson gibt, dann folgt aus einem solchen Privileg natürlich auch eine Verpflichtung, sich - über dem von sonstigen Spieloffiziellen verlangten Verhalten hinaus - im Sinne einer solchen Person mit Vorbildfunktion zu verhalten.

    Das ist doch das normalste von der Welt: Du, das hast Du insoweit falsch verstanden, weil man im Jugendbereich diesen Trainer wirklich nicht entfernen kann. Wenn sowas so krass nochmal passiert, dann brich ab, ja? Auf jeden Fall gut, dass Du diesen Bericht geschrieben hast. Wir reden mit dieser Person und dem Verein. So geht es ja mal nicht.

    Kann man doch machen. Oder irgendetwas anderes. Also etwas anderes als, nunja, nichts.