Und wie jeden Samstag: Einheitsbrei



Es ist der Montag dieser Woche, ich freue mich auf die neue Folge des Rasenfunks, den ich länger nicht mehr gehört hatte. Ich freue mich auf die wie immer charmant pointierte Moderation von Max und dass es dieses Mal endlich etwas über die Lilien von einem Kenner des Vereins, von Christian, zu hören gibt.


Aber schon bei der Besprechung der Sonntagsspiele wartete ich nur auf Christians Einschätzung zu Darmstadt 98, und als diese vorbei war hörte ich nicht mehr weiter.


Wie? Du als Fußball-Freak, der wöchentlich im Radio Deinen Senf dazu gibst, dazu bloggst, podcastest und auch noch akkreditiert bist, machst den besten Bundesliga-Podcast einfach mittendrin aus?


Ja, ich bekenne mich schuldig. Denn mein Interesse an der Bundesliga als Gesamtkonstrukt ist erloschen. Erloschen wegen gähnender Langeweile.


Und dabei meine ich nicht die Dominanz des FC Bayern München. Die Geschichte der finanziellen Ungleichgewichte in der Liga, die mit dem neuen Fernsehvertrag noch deutlich verschärft werden, sollen vielleicht irgendwann mal Thema für einen eigenen Beitrag sein.


Aber aktuell langweilt mich das, was bei diesem „Premiumprodukt“ den „Kunden“ begeistern soll: Der Fußball. Es kann noch so viel mediales Geschwurbel verbreitet werden, aber die Bundesliga ist mit ganz wenigen Ausnahmen zur Monokultur verkommen. Zu einer Kultur, bei der man im Spiel gegen den Ball jedes Register zieht, jeden Laufweg kennt jedes taktische Verhalten bis ins kleinste Detail geschult ist. Und nach Ballgewinn geht es dann schnell nach vorne, schließlich sind die Sekunden, in denen der Gegner noch nicht wieder geordnet ist, die kostbarsten in den neunzig Minuten. Wann fing es eigentlich an, dass alle nur noch das schnelle Umschaltspiel und den Vertikalpass im Programm hatten?


Aber vor allem: Wann fing es an, dass die Mannschaften der höchsten deutschen Spielklasse keiner Idee mehr haben, was sie mit dem Spielgerät machen sollen, wenn sie es in ihrem Besitz haben? Wann wurde aus „Fußball spielen“ nur noch „Gegen den Ball arbeiten“?


Man stelle sich vor, man würde einen Spieltag komplett auf die Inserts verzichten, die dem Zuschauer zeigt, wer da spielt, alles in der Totalen zeigen und dazu alles noch in Schwarz/Weiß übertragen. Wie viele Mannschaften würde man an ihrem Spielstil denn erkennen?


Bayern (wer hat nochmal gesagt, dass der spanische Tiki-Taka langweilig sei?) und Dortmund als die rühmlichen Ausnahmen natürlich, denen bei eigenem Ballbesitz nicht die Schweißperlen auf der Stirn und die Fragezeichen im Gesicht stehen. Ok, Darmstadt als die komplette Antithese, die den Ballverzicht in einer Form zuspitzt, die eigentlich jeden Satiriker und Philosophen zu Jubelstürmen hinreißen müsste. Aber sonst? Wo sind denn die Unterschiede in den Spielen zwischen beispielsweise Köln-Bremen, Augsburg-Hoffenheim oder Hertha-Mainz (Vereine beliebig austauschbar) zu sehen?


Ja, Heribert Bruchhagen hatte Recht damit, dass die Verhältnisse in der Liga zementiert sind. Der Satz gilt übrigens trotz gelegentlicher Ausreißer wie Augsburg oder Freiburg, die sich nach einem erfolgreichen Jahr dann aber bitte wieder an dem gewohnten Platz einzufinden haben. Aber was hindert denn die sechzehn anderen Vereine daran Fußball zu SPIELEN, daran sich bei Guardiola und Tuchel Impulse für das eigene System zu holen, zu adaptieren, besser zu werden? Woher kommt diese Verweigerung von Innovation und das Schwimmen im Teich mit all den anderen?


Am Ende entscheiden natürlich Ergebnisse, schließlich steht bei einem Abstieg nicht mehr als die Region auf dem Spiel. (als Anhänger des SC Freiburg sei mir der Einschub gestattet, dass der Schwarzwald immer noch steht, die Stadt Freiburg weiter Touristen empfängt und auch sonst alles im letzten halben Jahr seinen normalen Gang nahm. Ach ja, wer glaubt, es gäbe die fußballerische Abwechslung in Liga Zwei – dort ist alles noch viel viel schlimmer,) Wenn man aber davon ausgeht, dass in den nächsten zehn Jahren die ersten sechs Plätze von mindestens immer vier bis fünf gleichen Mannschaften belegt werden, dann macht es ja noch weniger Sinn auf das Herkömmliche zu beharren. Wo ist denn der Unterschied ob man Neunter oder Zwölfter wird, aber vielleicht den nächsten fußballerischen Schritt in der Entwicklung des Klubs geht. Die Vereine sind träge geworden, schließlich sind die Stadien trotzdem Woche für Woche voll, die mediale Präsenz nimmt immer noch weiter zu, die Zersplitterung des Spieltags wird weiter voranschreiten und sich der Fußball immer weiter in seine eigene Welt zurückziehen, ohne dass dies noch eine relevante Anzahl an Menschen stören würde. Wo der öffentliche Druck fehlt, wo der sportliche Wettbewerb nicht mehr jede Woche gegeben ist, da kann man es sich eben auch gemütlich machen und auf den Plätzen acht bis zwölf gut gehen lassen. Wäre nur nicht das lästige Risiko doch mal in die Relegation – die bis vor einigen Jahren ja noch ein direkter Abstiegsplatz war, aber man bleibt eben gerne unter sich - zu müssen.


Ich werde weiterhin die Atmosphäre in den Heimspielen am Böllenfalltor genießen, mich weiterhin ärgern über den Dilettantismus, mit dem Mannschaften dort zeigen, dass sie mit Ballbesitz nichts anzufangen wissen. Und natürlich werde ich mich freuen, wenn der SC Freiburg es im Sommer schaffen sollte wieder in Bundesliga aufzusteigen - was übrigens auch der Normalfall wäre, schließlich ist er 16 anderen Zweitligisten finanziell meilenweit enteilt. Aber den Sinn sich einen Samstag Mittag damit um die Ohren zu schlagen, wie in der Konferenz bei Sky in den ewig gleichen Bildern, mit den ewig gleichen Kommentatoren (werden die eigentlich irgendwo geklont?), neun von zehn Teams darauf warten, wann sie endlich zum Vertikalpass ansetzen können, werde ich nicht mehr tun. Es packt mich nach über 35 Jahren nicht mehr.


Ach ja: Wenn wieder Fußball GESPIELT werden sollte, könnt Ihr mir gerne Bescheid geben. Das Spiel an sich ist nämlich toll.


Kommentar schreiben

Kommentare: 13
  • #1

    sternburg (Mittwoch, 02 Dezember 2015 13:16)

    Wenn mir dazu eine Anmerkung gestattet sei:

    Ich finde, Du hast da schon bei vielem recht. Aber ich erinnere mich an Zeiten, da gab es eigentlich auch nur zwei Spielstile in der Liga: Die guten Mannschaften, die sich einen 10er leisten konnten, dem der Ball zugespielt wurde und der dann erst mal auf den Feldherrenhügel stieg, sich umschaute und dann den Ball verteilte. Und die sich hinten reinstellenden Konter-Mannschaften. War das wirklich besser? Sind wir nicht vielleicht von der kurzen Phase, in der Dortmund, dann Bayern und schließlich sogar Gladbach plötzlich tollen und neuen Fußball spielten, irgendwie verwöhnt? Und beschönigen die Zeit davor?

    [schamlose Eigenkopie]

  • #2

    Teilzeitborussin (Mittwoch, 02 Dezember 2015 13:34)

    Wow, ich werde Wochen für einen Kommentar brauchen. So viele Gedanken, so viele Ansatzpunkte.

    Aber ich fange mit einem Spontankommentar an. Dein Thema klingelt sofort bei mir, angefangen bei meinem schlechten Gewissen wegen 7 ungehörter Rasenfunk-Folgen. Auch ich schaue seit Wochen kein Sky, wenn nicht Borussia spielt.

    Langeweile und Austauschbarbarkeit, wir starten am selben Punkt. Aber während ich dir auf deinem Gedankenpfad folge, merke ich, wie ich gelegentlich doch woanders abbiege - ich finde spanischen Tiki Taka grottenlangweilig, das Pep- und Tuchel-Gehype geht mir auf den Sack und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich Darmstadt auf der Basis von "Alles, was anders ist, ist gut" Absolution erteilen kann.

    Das sind aber alles spontane Gefühle, aus dem Bauch heraus. Ich könnte sie in einer Diskussion noch nicht ausformulieren und differenziert erläutern, geschweige denn begründen.

    Auch zu den Themen Geld und Gerechtigkeit, zu viel Geld insgesamt und zu große Schere habe ich noch keine ausgereifte Meinung. Ob mein Blogpost zu dem Thema je fertig wird?

    Ich denke das durch und schreibe das auf. Hier oder in meinem Blog. Wir sehen uns. :-)

  • #3

    Sitzplatzultra (Mittwoch, 02 Dezember 2015 13:51)

    Lieber Sternburg,

    Dich einmal als Kommentator hier begrüßen zu dürfen, irre. (ja, ich bin einer derer, die sich früher immer durch die AAS-Kommentare gewühlt haben)

    Mir geht es nicht darum zu sagen, dass früher alles besser war. Ich gehöre nicht zu der Generation für die "Manni Flanke, ich Tor" das seligmachende des Fußballs war.

    Der Fußball war in seiner Geschichte immer geprägt durch Veränderungen, durch Innovationen. Sei es der Catenaccio in Italien, oder die ballorientierte Raumdeckung von Volker Finke in Freiburg. Aktuell ist der Fußball seit vielen Jahren in seiner Entwicklung in der Bundesliga zum Stillstand gekommen. Fast alle Vereine spielen das gleiche einfallslose System. Was ich beklage ist, dass vielleicht der klügste und kreativste Trainerkopf der Fußballwelt momentan in der Bundesliga zu Hause ist, aber er kaum Einfluss auf die Liga hat. Und dies nicht, weil man sein System nicht übernehmen könnte, sondern weil es eben viel einfacher ist das defensive System immer wieder einzuüben, als sich darum Gedanken zu machen, was passiert, wenn man selbst aktiv werden muss.

    Für mich hat dies wirklich mit einer "Das haben wir schon immer so gemacht"-Mentalität zu tun. Und die führt dann eben zu einer Austauschbarkeit, wo nicht mehr ersichtlich ist wer da gerade spielt.

  • #4

    Stephen (Mittwoch, 02 Dezember 2015 14:58)

    Der Beitrag spricht mir aus der Seele. Ich glaube einfach, für viele Vereine geht es primär um die Vermeidung von Risiko und um ein "nicht verlieren dürfen". Sie sind gar nicht darauf aus, selbst zu gestalten, weil das eben auch ein Risiko beinhalten kann und damit auch die Möglichkeit von Fehlern steigt. Teams wie Bayern oder Barca können das durch Qualität kompensieren.

    Und auch wenn früher nicht alles besser war, hatte ich das Gefühl, dass es in der Herangehensweise an die Spiele deutlich mehr Variationen gab als dies heute der Fall ist. Hoffentlich kommt da wieder eine gegenläufige Bewegung.

  • #5

    Oli Fritsch (Mittwoch, 02 Dezember 2015 15:33)

    Treffend

  • #6

    @Palloo (Mittwoch, 02 Dezember 2015 15:50)

    Ja nun, dann meld ich mich auch mal. Ich denke, dass du im Grunde nichts Falsches schreibst, aber irgendwo würde man vermutlich auch das Gegenteil behaupten können. Der HSV scheint nach 2 Jahren auf einmal wieder oben angreifen zu können. Die Berliner verwundern auch bis jetzt. Die Systeme, ja viele ähneln sich, aber selbst die Individualität der einzelnen Spieler machen doch einen sichtbaren Unterschied aus, wie ich finde. Wenn ich den VfL als Beispiel nehme, so haben wir in dieser Hinrunde mehrere verschiedene Systeme gespielt. Mit 2 Stürmern, einem oder zwei 6ern, mal Raute, mal auf Konter. Also da könnte ich mich jetzt aus dieser Sicht nicht beklagen, wenn ich daran nicht auch was zu meckern hätte ;-) Aber wie schon anfangs gesagt, im Grunde magst du Recht haben, viele spielen mit 4er-Kette und nur einem Stürmer und machen defensiv die Räume dicht.

    Ich denke, dass die "Unlust auf die Bundesliga" wirklich eher daher rührt, vielleicht auch Unbewusst, dass Neulinge in der Liga spätestens nach 3 Jahren wieder runter müssen, wenn die Spieler ("Aussortierten der Liga" oder Leihspieler) nicht jedes Jahr einschlagen wie beim FCA oder eben der FC Bayern einfach jedes Jahr einsam davonzieht. Man möchte sich einreden, das sei einem egal, Abstiegskampf kann ja auch ganz spannend sein, aber ich merke es bei mir selber, dass trotzdem etwas fehlt. Aber auch das hast du ja eigentlich schon selber erwähnt: Es herrschen große Lücken in der Liga, hauptsächlich zwischen Platz 1 und 2 und dann gibt es die gewohnten 2,3 Ausreißer nach oben, der Rest spielt Abstiegskampf. Aber war das so nicht eigentlich schon immer?

    Um nochmal zu den Systemen zu kommen: Ich finde es jetzt auch nicht so toll ständig diese "Hauptsache hinten schlägt's nicht ein"-Mannschaften im Fernsehen zuzuschauen, dennoch ist das denen ihr gutes Recht, denn es praktizieren ja gerade die Mannschaften, welche evtl. nicht die Mittel haben um qualitativ hochwertigen Offensivfussball zu spielen, genau dieses System.

  • #7

    schranke (Mittwoch, 02 Dezember 2015 16:20)

    Die Unlust kann ich nachvollziehen. Vielleicht liegt es aber - zumindest teilweise - auch daran, wenn wir bedenken, in welchen Jahren wir fußballsozialisiert worden sind. Bei Bochum denke ich an Lameck, Benatelli, Zumdick oder Kuntz. Bei Bremen fallen mit Burdenski, Votava, Völler, Bratseth ein. Heute kenne ich nur noch wenige Namen zusammen. Schlicht, weil die Spieler die Vereine schneller wechseln. Damit habe - ich zumindest - den "emotionalen Faden" zu den Vereinen verloren. Ich schaue mir zwar immer noch die Spiele gelegentlich an, aber ich habe auch kein Problem, mich nur über das Ergebnis aus der Zeitung oder dem Internet zu informieren.
    Wenn die Emotionalität flöten geht, mindert das eben auch das Interesse. Ob früher man die Teams aber tatsächlich so genau aufgrund ihrer verschiedenen Spielgestaltung auseinanderhalten konnte? Ich bin mir da nicht so sicher. Als kleiner Junge konnte ich anhand der Fernsehbilder sofort erkennen, in welchem Stadion gespielt wurde. Somit war mir der Heimverein immer bekannt. Aber was heute Hoffenheim - Mainz ist war früher Karlsruhe - Duisburg. Ein taktisches Highlight war das mit Sicherheit nicht.

  • #8

    @Dave__Mitchell (Mittwoch, 02 Dezember 2015 20:20)

    Da Du mich auf Twitter geblockt hasr, muss ich eben hier schreiben, wie sehr Du mit Deiner Einschätzung richtig liegst.

  • #9

    sternburg (Mittwoch, 02 Dezember 2015 21:59)

    @Sven:

    Erst Mal danke für die Blumen (wir sind übrigens noch da, ich sachs bloß).

    "Aktuell ist der Fußball seit vielen Jahren in seiner Entwicklung in der Bundesliga zum Stillstand gekommen."

    Seit vielen Jahren? Das letzte Mal ist Dortmund im Jahr 2012 Meister geworden. Im selben Jahr wurde Gladbach mit begeisterndem Fußball Vierter, wäre ohne den Leistungsabfall wegen des dünnen Kaders zum Saisonende hin Dritter geworden. Das ist dreieinhalb Jahre her. Unter "seit vielen Jahren" verstehe ich etwas anderes.

    Dreieinhalb Jahre nach Freiburgs völlig wahnsinniger Idee, hinten mit Viererkette zu spielen, war das in der Bundesliga noch lange nicht Standard. Schon gar nicht wieder abgelöst. Erinnerst Du Dich, wie lange das 4-4-2 mit Raute überlebt hat, bis irgendjemand auf die Idee kam, mehr Spieler ins Mittelfeld zu stellen? So ist das nunmal: Taktiken werden geboren, setzen sich durch und verbreiten sich. Bis jemandem etwas besseres einfällt.

    Was ich nachvollziehen kann, ist, wenn einem die Bundesliga derzeit auf den Sack geht. Da finde ich allerdings weniger die geringe taktische Varianz problematisch, als die geringe Durchschnitts-Qualität bzw. die größtenteils absurd schlechte Konstanz. Es war immer ein Qualitätsmerkmal der Liga, dass sie relativ ausgeglichen war. Zur Zeit allerdings finde ich, dass unterhalb von Platz 2 tatsächlich jeder jeden schlagen kann. Tatsächlich. Nicht so grundsätzlich und wenn der Favorit einen schlechten Tag hat. Das ist eher ausgeglichen schlecht.

    Muss man sich mal reinziehen: Der Tabellendritte Wolfsburg ist in der Auswärtstabelle Fünfzehnter. Fünfzehnter! Sechs Punkte mit drei (in Zahlen: 3) geschossenen Toren. Das ist doch keine Frage der Taktik. Das ist mies, nichts anderes.

    Wie die meisten schaue ich in erster Linie die Spiele meines Vereins. Da habe ich in den letzten Jahren mit Borussia Mönchengladbach wohl großes Glück gehabt. Wir hatten in den letzten fünf Jahren genau eine Übergangssaison, in der wir uns irgendwie so auf den achten Platz gewurschtelt haben. Ansonsten war immer großes Drama und/ oder großer Fußball. Allein die letzte Rückrunde, in der gesiegt und gesiegt und gesiegt wurde. In München (bevor die Meister waren), in Wolfsburg usw. In einem packenden Fernduell gegen Bayer Leverkusen, die ebenfalls so gut wie keinen Punkt liegen ließen. Das war groß.

    Ich fürchte, wäre ich Fan von Schalke(!), HSV, Stuttgart, Leverkusen oder sonst eines dieser ganzen unkonstanten Vereine, die konstant unter ihren Möglichkeiten bleiben und gefühlt jedes Jahr aufs neue eine Übergangssaison haben, dann würde ich das alles auch anders sehen.

    Aber ich glaube einfach nicht, dass dies an der vorherrschenden Taktik liegt.

  • #10

    juhnke (Donnerstag, 03 Dezember 2015 20:24)

    Hallo Sven! Ich kann deine Klage überhaupt nicht nachvollziehen. Ich habe auch in den 70er Jahren angefangen, die Bundesliga zu verfolgen – und es waren durch die 80er und 90er Jahren technisch katastrophale Jahrzehnte. Gerade die deutschen Ligen (und die Nationalelf) boten massenhaft Spieler auf, die keinen Ball annehmen konnten, ohne dass er fünf Meter versprang. Pässe über dreißig Meter kamen nicht an. Spielzüge über mehrere Stationen hatten Seltensheitswert.
    Dagegen ist das durchschnittliche Bundesligaspiel heute echt sehenswert. Die Spieler sind schnell, dynamisch, ballsicher, haben Spielverständnis und manchmal geradezu artistische Elemente. Auch bei solchen Mannschaften wie Augsburg, Hannover, Mainz – die hätten früher nur die Spiele zerstört.
    Ich finde die Entwicklung der letzten Jahre großartig (von der Dominanz der Bayern mal abgesehen, aber auch das muss nicht so bleiben, da ist viel mindfuck dabei.)

  • #11

    Johan Levinas (Freitag, 04 Dezember 2015 12:31)

    Ja, es wird Zeit, dass der großartige Thomas Schaaf in die Liga zurückkehrt und dem langweiligen Einheitsbrei ein Ende bereitet.

  • #12

    Philipp (Freitag, 04 Dezember 2015 15:46)

    Ich stehe vom Gefühl her komplett hinter deinem Blogeintrag.
    Einheitsbrei und Qualitätsmängel - ich habe ein paar meiner Gedanken mal unten aufgeführt, könnte bisschen polemisch klingen... aber was meint ihr dazu?
    Beispiel Eintracht Frankfurt: Hier habe ich wirklich das Gefühl, dass denen ziemlich egal ist, ob sie 6. oder 14. werden. Trainer Veh ist sowas von tiefenentspannt, und sein Kader um Kapitän Meier und Vizekapitän Russ (beide über 30 Jahre alt) auch. Die wissen einfach, wie der Hase in der Liga läuft und wurschteln sich durch. Das einzige Spiel, wo sie wahrhaftig motiviert waren, war das Spiel gegen die Bayern. Die meisten im Team von Frankfurt sind satt: Russ hat mal gut Kohle gemacht in Wolfsburg, ohne groß zu spielen, Meier ist tatsächlich mal Torschützenkönig geworden, alles prima... und jetzt noch schön durchwurschteln bis zur Fußballerrente.
    ABER DIESES UNINSPIRIERTE GEKICKE REICHT JA! Die Eintracht wird am Ende 13. werden, mit Ach und Krach, so wie gefühlt immer (abgesehen von der Europa League Zeit nach dem Wiederaufstieg... als der Kader noch hungrig war und Veh motiviert!)
    Ich glaube ja, dass der Erlebnispädagoge Jürgen Klopp beim BVB eine Gruppe Jungs, alle ungefähr Baujahr 1988, dazu gebracht hat, sich in jedem Spiel die Seele aus dem Leib zu rennen (Stichwort: Gegenpressing). Und das hat, garniert mit Edelspielern wie Götze und Lewandowski, sehr gut geklappt. Nach sieben Jahren konnte Klopp ihnen nichts Neues mehr erzählen. ABER DIE RENNEREI DER MARKE GROßKREUZ UND BENDER MACHEN NUN ALLE NACH! Seht ihr das auch so, oder vielleicht im Ansatz auch so?

  • #13

    Philipp (Freitag, 04 Dezember 2015 16:10)

    Ergänzung: Ich wollte darauf hinaus, dass außer bei Bayern und Dortmund die Laufleistung das entscheidende Kriterium zu sein scheint, und dass daraus dieser Einheitsbrei entsteht.

    Passend dazu findet man auf kicker.de heute folgendes Zitat zur Arbeit von Klopp in Liverpool:
    "Sieben Siege aus den letzten acht Pflichtspielen! Eine um sechs Kilometer höhere Laufleistung als unter Brendan Rodgers - pro Spiel!"