Die längste Serie im deutschen Profifußball


Vier Spiele sind vorbei, immer noch sind die Lilien ungeschlagen, und immer noch weiß niemand so recht etwas mit dieser Mannschaft anzufangen. 

Althergebrachter Fußball sei das. Glück hätten sie. Aufstiegseuphorie, die irgendwann vorbei sei, hätte ihnen die Punkte gebracht heißt es Woche für Woche. Und furchtbare Schauspieler und Zeitschinder seien sie zudem.

An allem davon mag etwas dran sein und trotzdem erklärt es nicht, dass ein Aufsteiger aus den beiden ersten Auswärtsspielen auf Schalke und in Leverkusen vier Punkte mitnimmt. Es wird aber übersehen, dass auf Schalke mit der großen Chance von Mario Vrancic zum 2:0 möglich gewesen wäre. Und es wird verkannt, dass es wohl nur sehr wenige Mannschaften geben wird, die Leverkusen so hilflos aussehen, ihnen jegliches Tempo nehmen und sie komplett ihres Umschaltspiels berauben.

Ja, die Passstatistiken und Ballbesitzquoten sind auf einem solch niedrigen Niveau, wie es die Liga zuvor wohl nicht gesehen hat. Und der Fußballästhet möge bitte einen Bogen um das Böllenfalltor machen, wenn er sich nicht die Augen verderben wolle. Schließlich wird von den Zuschauern auch noch jeder ins Aus gegrätsche Ball, jeder Befreiungsschlag so bejubelt, als sei gerade ein Tor gefallen. Durch die hohe Anzahl an Stehplätzen, die zwei Fanblöcke auf den Sitzplatztribünen kommt es dann für den Gast eben zu jener "abartigen Stimmung", wie sie Markus Gisdol so drastisch wie respektvoll und wohlwollend beschrieb.

Es ist eben ein sehr physisches 4-4-2, mit zwei schnellen Spielern auf den Flügeln, zwei Staubsaugern in der Mitte, und einem insgesamt sehr verdichteten Zentrum, welches das Angriffsspiel des Gegners auf die Flügel lenkt.
Hinzu kommt, dass sich ins Spiel nach vorne nur wenige Spieler einschalten, der Abwehrspieler nach im Mittelfeld verlorenen Ball sich direkt wieder nach hinten orientiert und das Nachsetzen seinen Kollegen überlässt. Welches Maß an Disziplin und Laufbereitschaft dies für jeden Spieler erfordert ist klar. Für den Erfolg ist dies jedoch unabdingbar, so hat Darmstadt in der gesamten Zweitligasaison letztes Jahr genau NULL Gegentore nach einem Konter bekommen. Und dies in einer Liga, in der fast alle Mannschaften auf ein schnelles Umschaltspiel setzen. Dass gleich das erste Gegentor der Bundesliga-Saison aus einem Konter fiel, zeigt, dass es eben keine fertige Mannschaft ist, dass Anpassungen notwendig sind, dass weiter vieles nachzujustieren ist. Aber dieser Entwicklungsprozess hat längst begonnen. Bereits gegen Leverkusen war nach der Länderspielpause einiges von dem zu erkennen, was Dirk Schuster und die Spieler nach dem glücklichen Unentschieden gegen Hofffenheim an Verbesserungen sehen wollten.

Dabei zeigen sich Team und Verantwortliche nach jedem Spiel realistisch über die eigene Leistung, die Stärken und die Defizite. Außenstehende mag erstaunen mit welchem souveränen Selbstvertrauen sich dort geäußert wird. Schließlich spiele man zurecht in der Bundesliga, habe hart dafür gearbeitet und wenn Außenstehende dies als Betriebsunfall abtun wollen, dann können sie es gerne tun.

In Darmstadt mögen sie es unterschätz und als Außenseiter angesehen zu werden. Schließlich hören sie seit mittlerweile 72 Ligaspielen am Stück, dass man erst nach der nächsten Partie sagen könne, ob der Erfolg wirklich anhalte. Gerade so als sei der doppelte Aufstieg in den letzten zwei Jahren ein Geschenk der DFL gewesen.

Dirk Schuster und sein Team werden sicher darauf hoffen, dass diese längste Serie im deutschen Profifußball noch einige Zeit anhalten wird.

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Kommentare: 1
  • #1

    Michael (Mittwoch, 23 September 2015 15:30)

    Guter Artikel! So ein Team hat der Liga gefehlt, ich drücke Ihnen die Daumen, dass sie diese Liga auch halten können.