Eine neue Liga ist wie ein neues Leben, oder?


Was verbindet man mit den drei Begriffen Sandhausen, Heidenheim und Montagsspiel? Richtig, die Zweite Bundesliga.


Um die Dauer der diesmaligen Bundesligazugehörigkeit zu verdeutlichen:


Als der SC Freiburg zum letzten Mal zweite Liga spielte hieß einer der Gegner LR Ahlen und der Aufstieg wurde mit dem Sieg bei der TuS Koblenz vollzogen.


Nun heißt es also wieder Auswärtsfahrten auf sich nehmen, die oft ohne einen Urlaubstag kaum zu meistern sind, die unerträglichen Zusammenfassungen im DSF schauen und im Kicker zuerst in der zweiten Hälfte nach den Neuigkeiten über den eigenen Verein zu suchen.


Da die Sommerpause als Absteiger dieses Jahr extrem kurz war (gab es überhaupt eine?) blieb auch zum Jammern über die Ungerechtigkeit der Welt keine Zeit. (I'm talking to you, S04!) Auch der Verein erweckte glücklicherweise nicht den Eindruck, als müsse er seine Planungen komplett neu ausrichten und überdenken.


So war an den raschen Verpflichtungen von Tim Kleindienst, Lukas Kübler und Vinzenco Grifo zu sehen, dass das Team verjüngt werden sollte. Dass, auch im Falle des Klassenerhalts, erwartbare Abgänge (alles Gute für jeden einzelnen Spieler – und danke für die Gegengerade des neuen Stadions) eben nicht mit gestandenen Profis ersetzt werden, sondern dass der Fußballlehrer und Ausbilder Christian Streich wieder mehr gefragt sein wird.

So kamen mit Lucas Hufnagel und Marco Hingerl große Talente zum SC und mit Jonas Föhrenbach, Konstantin Fuhry, Florian Kath und Amir Falahen rückten vier Spieler aus der zweiten Mannschaft in den Profikader auf. Selbst der von Grashoppers Zürich gekommene albanische Nationalspieler Amir Abrashi ist mit erst 25 Jahren noch längst nicht am Ende der fußballerischen Entwicklung angekommen.

Eine Ausnahme gibt es bei den Transfers. Ein abgehalfterter Stürmer wurde dann doch verpflichtet, der auf seine alten Tage nochmal Kasse machen will und wohl vor seinem Wechsel in die USA nochmals Zweite Bundesliga spielen will. Und so kann mir kaum vorstellen, dass wir kommende Saison viel von Nils Petersen hören werden.


Wer den letzten Abschnitt ernst genommen hat: Meine Reaktion auf die Nachricht des Transfers war „JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!“. Wenn beim SC Freiburg je das Wort Königstransfer passte, dann hier. Manchmal fällt es mir immer noch schwer zu glauben, dass dies wirklich geklappt hat. Und es ist wohl nur im Ansatz zu erahnen, wie sehr Vereinsverantwortliche, die Trainer und die Teamkollegen daran gearbeitet haben, dass dies wirklich klappt.


Mir scheint die Mannschaft für die Zweite Liga sehr gut aufgestellt zu sein. Alex Schwolow hat schon in den Testspielen gezeigt, dass er die klare Nummer Eins sein wird, die Innenverteidigung hat die Qualität für die Bundesliga und auf den Außenbahnen ist selbst nach dem Abgang von Sascha Riether sowohl quantitativ als auch qualitativ noch ein Überangebot vorhanden.


Im Mittelfeld scheint es so zu sein, dass Kapitän Julian Schuster auch in der neuen Saison wohl erst einmal nur der Platz auf der Ersatzbank bleibt, da Nicolas Höfler und Amir Abrashi wohl die Startformation auf der Doppelsechs bilden.


Als großes Problem zeigte sich in den Testspielen das Spiel nach vorne. So wurden nur wenige Chancen erspielt und natürlich auch nur wenige Treffer erzielt. Neben Grifo hat sich bisher keine Formation auf den Flügeln herausgebildet, die das bei Christian Streich so wichtige Spiel über die Außen initiiert. Der Verein hat zwar angekündigt hier noch einmal tätig werden zu wollen, aber aktuell drängt sich dort niemand auf Nils Petersen mit Bällen zu versorgen.


Gerade auch im vorderen Bereich hat der SC einige Überraschungseiner zu bieten, bei denen man nicht weiß ob darin ein Happy Hippo oder doch nur ein Propeller für ein laues Lüftchen versteckt ist.

So wird es spannend zu sehen sein wie sich der oft unterschätzte Karim Guedé eine Etage tiefer zurechtfindet. Maximilian Philipp muss allmählich den nächsten Schritt gehen und den Anspruch haben, Stammspieler zu werden. Und auch wie Mats Möller Daehli nach seiner Verletzung zurück kommt, ist offen.


Insgesamt hat der SC Freiburg in seinem Kader und im Trainerteam genügend Qualität um den Wiederaufstieg zu schaffen, zumal die Unterstützung im Umfeld ist riesengroß ist (bereits jetzt sind deutlich mehr als die erwarteten 12.000 Dauerkarten abgesetzt).


Es bleibt abzuwarten wie schnell sich die neue Mannschaft findet, ob ein oder zwei der jungen Talente des Sprung zum Stammspieler schaffen, wie schnell die offensivere Spielweise verinnerlicht wird und nicht zuletzt ob in allen Köpfen der Abstieg wirklich verdaut ist.


Werden zu Beginn der Saison nicht zu viele Punkte liegen gelassen ist selbst für mich Dauerpessimisten der SC Freiburg fest auf einem der ersten drei Plätze eingeplant.



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