Zehn Elfer, drei Ecken - Folge 06: Borussia Dortmund

Am Sonntag empfängt der SC mit Borussia Dortmund endlich mal wieder einen Gegner aus der Kategorie „sicherer Heimsieg“. Alles andere als drei Punkte wären eine Überraschung, oder?

 

Umso mehr freut es mich, dass trotz der beinahe aussichtslosen Lage seines Vereins der wunderbare, oft kopierte und nie erreicht Stefan, aka @surfin_bird den Fragebogen beantwortete.

 

Er bloggt übrigens auch unter blog.luschenelf.de und hat mit diesem Beitrag vollkommen zurecht den Blogbeitrag des Monats geschrieben.

 

Hiermit übergebe ich also das Wort an Stefan.

 

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Zehn Elfer

 

1. Das bin ich in 140 Zeichen:

 

Geht nur in 152. Wenn die 140 eine strenge Vorgabe sind, musst du Vokale deiner Wahl rausstreichen. (würde ich niemal tun! d. Sitzplatzultra)

 

Aus Berlin, jetzt München. Frau und zwei Töchter. Liebt seinen Verein, Musik mit Gitarre, Frau und Töchter und wünscht manchmal, er wäre noch in Berlin.

 

2. So kam ich zu meinem Verein:

 

Darf man Hornby zitieren? Man darf:

 

"Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden.“

 

Aber so kam ich nur zum Fußball. Nach ereignisarmer eigener Spielerkarriere lernte ich den Sport zu lieben erst, als ich nicht mehr spielte. Und dann schlich sich Mitte der 80er der BVB halt hinein. Vadder aus Dortmund, Mudder aus Bochum. Bochum ist ja auch cool.

 

 

3. Niemals werde ich dieses Glücksgefühl vergessen, als...

 

Lars „ohne Ende“ Ricken den Ball reinnagelt. Völlig abgeschmackt, aber wirklich ein großer, großer Moment. Wurde mir wieder klar, als ich ihn in Ritterrüstung in Wembley sah. Ein Moment zum Aufspringen und Schreien. Bevor sich der Schrei löste aber erstmal Sekundenbruchteile Stille, bis das Röhren und Brüllen kam.

 

 

4. Im Giftschrank der Erinnerungen liegt...

 

Der März 2005. Die ganze Hybris, die ganze Inkompetenz einer Vereinsführung (und auch einer Erwartungshaltung), die den BVB an den Rand des Abgrunds geschoben hatte. Eigentlich schon drüber hinaus. Heute ahnt man, dass DFL und DFB wohl nicht tatenlos zugesehen hätten, wie der BVB in der Kreisliga C neu anfängt. Damals nicht, im März 2005 ging ich davon aus, dass es jeden Moment vorbei sein kann.

 

5. Diesem Spieler sollten wir einen Vertrag auf Lebenszeit anbieten...

 

Müssen wir gar nicht. Er wird eh nur unter Tränen und mit einem todtraurigen „hach, so habe ich mir das nicht vorgestellt“, den Verein verlassen: Kevin.

 

6. Der unbesungene Held unseres Clubs ist...

 

Einer der leider ganz, ganz wenigen, die sich dem Terror 1933 bis 1945 entgegenstellten. Diese Zeit ist wirklich kein Ruhmesblatt für die Borussia, aber Heinrich Czerkus, Kommunist und Vereinswart der Borussia, nutzte auch die Infrastruktur der Borussia, um für den kommunistischen Widerstand Flugblätter zu drucken. Im März/April 1945, kurz vor der Befreiung von der Gestapo hingerichtet.

 

 

7. Mein ewiger Lieblingsspieler des Vereins ist...

 

Nur einen darf ich nennen? Na gut, dann Paul Lambert. Was für ein geiler Spieler. Nur knappe zwei Jahre bei uns. Beim Abschied 1997 war ich im Stadion, was ich leider viel zu selten bin, CL Spiel gegen Parma am 05. November 1997. Ein zutiefst emotionaler Moment. Es ist ein Stück weit absurd, einen Spieler zu nennen, der wegen seines Abschiedes im emotionalen Gedächtnis geblieben ist, aber Paul Lambert war so, wie ich mir Fußball vorstellt. Geradlinig, schnörkellos und nicht zu sehr von einem anderen Stern. Denn wenn jemand zu begnadet ist, fehlt mir der kleine tagträumerische Gedanke, so hätte man den Ball auch gespielt, wenn man nicht mit Mädchen, Kippen und Rock’n’Roll angefangen hätte.

 

8. Mit dem SC Freiburg verbinde ich folgende Erinnerung...

 

Der SC Freiburg hat einem meiner Dortmunder Helden eine Heimstatt geboten, als mein Verein ihn wegen ein paar lächerlicher Joints hat fallen lassen. Ibrahim Tanko, Teil des Babysturms 1994/1995. Er war danach sicher nicht der ersehnte Heilsbringer, aber ich hatte immer eine teilweise schmerzliche Zuneigung zu Stürmern, die mit Grandezza scheitern. Nelson Valdez etwa, oder –hier kommt wieder der SC ins Spiel – Harry “Knipser“ Decheiver.

 

9. Außer Matthias Ginter hätte ich gerne folgenden Spieler des SC Freiburg bei uns im Kader ...

 

Oliver Baumann. Wenig überraschende Entscheidung. Ich glaube aber auch, dass Admir Mehmedi ein Spieler ist, aus dem Klopp eine Menge herauskitzeln könnte und der im BVB System funktionieren könnte. Aber ich darf nur einen aussuchen. Dann Baumann, ein Torwart der Weidenfeller beerben könnte.

 

10. Mein ultimativer Geheimtipp für Gästefans lautet....

 

einen Ureinwohner der Stadt zu fragen, nicht einen Exil-Berliner mit nur noch romantischer Bindung an die Stadt Dortmund.


Drei Ecken

 

 

Ich wollte Dich schon immer einmal fragen:

Ob...

das, wenn auch inzwischen abgeschwächt wahrnehmbare Klischee vom Akademikerclub eigentlich nervt. Fehlt einem in Freiburg die folkloristische Szene aus Kuttenträgern, Alt-Hauern und Fans mit denen man ausser der Zuneigung zum Verein so gar nichts teilt?

 

Ach, wenn es doch nur der freundliche Akademikerclub wäre, von dem wir da reden. Mittlerweile werden Gästeteams auch in Freiburg nicht mehr mit Applaus begrüßt (wieso auch immer). Auch Dauergesänge und sonstige Selbstbeweihräucherungen von Jugendlichen des gehobenen Mittelstands sind schwer zu ertragen. Insofern habe ich mehr gemein mit den Kutten und den old school-Fans als mit denen, die nun die Kurven glauben dominieren zu müssen.

 

Wann...?

...ist der SC Freiburg eigentlich am FFC vorbeigezogen. Und: warum?

 

Ich verweise auf Deine Frage zum zehnten Elfer. Bitte fragen Sie jemanden, der sich vor Ort befindet und damit auskennt. Aus mehreren hundert Kilometern Entfernung würde ich mir dazu nie ein Urteil anmaßen.

 

Warum...?

soll der SCF so bleiben wie er ist. Glücklich, wenn man erste Liga spielt und nicht todunglücklich, wenn man Zwote spielt?

 

 

Weil er nur so die Chance hat dauerhaft zu den besten zwanzig Vereinen der Republik zu gehören. Es gibt nun mal weder einen Getränkekonzern, noch einen Mäzen und schon gar kein übergeordnetes regionales Interesse, das den Verein bei einem finanziellen Crash retten würde. Klingt manchmal vielleicht unsexy und Europa war großartig. Aber wie schnell Größenwahn an den Abgrund führen kann, hast Du ja beim vierten Elfer eindrücklich beantwortet.

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Stadtneurotiker (Sonntag, 09 März 2014 16:45)

    Gewohnt launige Aussagen von Herrn Bird. Sehr schön.

    Zum Niedergang des FFC:
    1981/82 spielten der FFC und der SCF gemeinsam in der eingleisigen 2. Liga. Der FFC (Deutscher Meister 1909?) stieg ab und scheiterte danach mehrfach in der Aufstiegsrunde zur 2. Liga. Im Gegensatz zum sparsamen Stocker verhob sich der FFC, dessen Verantwortliche glaubten, man müsse die Karte „Traditionsverein“ vollkommen ausreizen, mehrfach (ich meine, es gab zwei Insolvenzen) und spielt inzwischen siebtklassig. Der SCF kaufte Mitte/Ende der 90er Jahre dem FFC das Möslestadion am romantischen Waldsee ab, das heute die Fußballschule beherbergt.
    Noch ein bisschen Gossip: die heutige Präsidentin machte bei „Shopping Queen“ mit.