Zehn Elfer, drei Ecken - Folge 04: Bayern München

 

Der SC darf am Samstag zum schwersten, leichtesten Spiel der Saison beim FC Bayern München antreten. Während sich die Wetten wohl nur darum drehen, wie hoch der Sieg der Bayern ausfällt, geht unsere kleine Bundesligareise hier weiter.

 

Ich bin sehr froh, dass ein wirklich lieber Freund als Fan des FCB die Fragen beantwortet. Ben hat nicht nur ein wunderbares Blog, er war auch der erste meiner Timeline, den ich persönlich kennenlernen durfte.

 

Zumal war er - neben Herren aus Köln und Stuttgart - einer derer, die mich angetrieben haben das Projekt "Eigenes Blog" endlich umzusetzen.

 

Ich übergebe nun also an Ben.

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Zehn Elfer

 

1. Das bin ich in 140 Zeichen:

Rot (Verein) + Grün (politisch) + Bunt (modisch) = @stadtneurotikr

 

2.So kam ich zu meinem Verein:

Es war im Mai 1984, als der FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach im Frankfurter Waldstadion das Finale um den Pokal austrug. Nach 120 Minuten stand es 2:2, und es ging ins Elfmeterschießen. Lothar Matthäus drosch in seinem letzten Spiel für Gladbach einen Elfer über das Tor.

Davor folgte ich dem Fußball allenfalls am Rande. Dieses Spiel begeisterte mich nachhaltig für diesen Sport und den FCB.

 

3. Niemals werde ich dieses Glücksgefühl vergessen, als...

Oliver Kahn, der nie zu meinen Lieblingsspielern gehörte, am 23.05.2001 in Mailand gegen den FC Valencia den dritten Elfmeter hielt und ich endlich den ersten Champions-League-Titel als Fan feiern durfte.

Mit tränenerstickter Stimmte lallte ich meiner damaligen Freundin ins Telefon, daß ich später heimkäme. Am Tag darauf, es war ein sommerlicher Feiertag, erzürnte ich sie mit meinem Kater. Sie konnte mit Fußball nichts anfangen, obwohl sie am 7.7.1974 geboren wurde.

 

4. Im Giftschrank der Erinnerungen liegt...

Isch kenne kein Aleschia!

 

5. Diesem Spieler sollten wir einen Vertrag auf Lebenszeit anbieten...

Es will doch eh keiner weg...

Lieber wäre es mir, wenn der Verein auch über Uli Hoeneß hinaus seine verdienten Spieler nicht vergäße und ihnen gegebenenfalls auf die Beine hülfe, wenn sie nach Ihrer Karriere Unterstützung benötigen.

 

6. Der unbesungene Held unseres Clubs ist...

Bernd "Wipf" Dürnberger. Ihn kennt kaum noch ein Mensch. Er gehörte zur legendären Mannschaft um Maier, Beckenbauer, Breitner, Hoeneß, Müller usw. Er erlebte den harten Übergang in die 80er Jahre, als erst der Rummenigge-Transfer zu Inter Mailand – es waren 11 Millionen Mark – den Verein sanierte und das wirtschaftliche Fundament bildete, ohne den der FC Bayern München nicht das wäre, was er heute ist. Er durfte sich mit der Meisterschaft 1985 verabschieden und ward seitdem in der Versenkung verschwunden.

 

7. Mein ewiger Lieblingsspieler des Vereins ist...

Ludwig "Wiggerl" Kögl. Er kam 1984 von den damals drittklassigen Löwen und dribbelte sich unter Udo Lattek, der einst ein veritabler Trainer war, sofort in die erste Elf. Was für ein wunderbarer Fußballer, der in Zeiten nicht vorhandener Flügelspieler seiner Zeit voraus war und sich damals schon rhetorisch ("I spui mei Spui.") von seinen Mitspielern abhob.

Heute berät er Thomas Müller.

 

8. Mit dem SC Freiburg verbinde ich folgende Erinnerung... .

Es war wohl im Frühjahr 1990, wie meine Recherchen ergaben, daß ich einem Spiel im Dreisamstadion beiwohnte. Ich verbrachte in meiner Kindheit und Jugend den Großteil meiner Schulferien in Freiburg bei meinen Großeltern.

Der Trainer hieß Bernd Hoss, und Charly Schulz war so etwas wie das Urgestein einer Mannschaft, von der man nicht glaubte, daß sie wenige Jahre später die Bundesliga mit ihrem Spiel verzaubern würde. Der Gegner vor ca. 2000 Zuschauern hieß Blau-Weiß 90 Berlin. Das Spiel endete 2:2.

 

9. Außer Matthias Ginter hätte ich gerne folgenden Spieler des SC Freiburg bei uns im Kader ...

Keinen. Aber eine Straßenbahnhaltestelle in Sichtweite des Stadions gefiele mir.

 

10. Mein ultimativer Geheimtipp für Gästefans lautet.... .

Zwischen den U-Bahnstationen Kieferngarten und Fröttmaning gibt's eine Boazn, in der man sich noch mit richtigem Bier stärken kann, bevor man dem Dünnbier im Stadion ausgeliefert ist.

 

Drei Ecken

 

Ich wollte Dich schon immer einmal fragen:

 

Ob... Du irgendwelche Erinnerungen an die Zeit vor Volker Finke hast?

Meine erste Dauerkarte beim SC hatte ich in der Saison 2004/2005, ich habe also noch die letzten Jahre von Volker Finke als Cheftrainer aus der Nähe erlebt. Vor allem habe ich einen Mann erlebt, der sein eigenes Denkmal nach und nach zerstörte. Der es aus Schmeichelei für das Ego in Kauf nahm, dass sich die Fans und das Umfeld des Vereins fast zerlegten. Ich bin fest davon überzeugt, dass mit dem aktuellen Trainer eine ähnliche Ära begründet werden kann. Und ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass es bei ihm ein solch unwürdiges Ende einer großen Zeit nicht geben wird.

 

Wann... hat der SC Freiburg – vorausgesetzt, der Verein wird sportlich und wirtschaftlich so geführt wie seit über 20 Jahren – keine Chance mehr, in der Bundesliga zu bestehen?

Wenn die 50+1 Regel kippt; wenn noch andere Weltkonzerne oder Weltkonzernbegründer ihren Verein vor Ort als Hobby entdecken; wenn das neue Stadion nicht kommt; wenn der Aufsichtrat des SC acht Stunden sonntags vor einer wartenden Pressemeute an einem geheimen Ort tagt.

Genau dann hat der SC Freiburg in der Bundesliga keine Chance mehr.

 

Warum... tut sich der Verein so schwer, die Freiburger von der Notwendigkeit eines neuen Stadion(standorts) zu überzeugen?

Weil der SC für Freiburg nie die Bedeutung hatte und hat wie andere Vereine für ihre Stadt. Wenn man an Spieltagen in der Stadt ist, merkt man zwar, dass der SC spielt, aber das Leben geht trotzdem seinen normalen Gang. Es ist weder ein Festtag noch etwas besonderes, sondern einfach ein Fußballspiel am Rande der Stadt. Vielleicht ganz angenehm, diese Haltung, aber öffentlicher Druck wird so natürlich nicht erzeugt.

 

(Das Bashing der gentrifizierten Nimbys spare ich mir an dieser Stelle. Es darf aber gerne mitgedacht werden)

 

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